
Natürlichen Schmerzlinderung unter der Geburt
Viele Erstgebärende kennen Geburtsschmerz vor allem aus Filmen. Frauen liegen auf dem Rücken, hecheln, pressen, schreien. Diese Bilder prägen uns, lange bevor wir selbst schwanger sind. Und sie machen Angst, weil sie ein Gefühl vermitteln: Geburt ist etwas, das man „aushalten“ muss.
In der Realität ist Geburt viel vielfältiger. Die Rückenlage ist selten die Position, in der sich eine Geburt am besten anfühlt. Und gepresst wird in der Regel erst ganz am Ende, in der Austrittsphase. Davor liegt die lange Strecke, in der du mit den Wellen arbeitest und deine Energie einteilst. Genau hier kann es ein Gamechanger sein, einfache Coping Strategien zu kennen, die dir Halt geben, wenn es intensiv wird.
Wie du Schmerz wahrnimmst, ist sehr individuell. Manche spüren die Wehen vor allem im Rücken, andere in den Leisten, Beinen oder tief in der Gebärmutter. Manchmal fühlt es sich wie ein starker Druck an, manchmal wie ein Ziehen. Und auch der Verlauf ist unterschiedlich. Es gibt ruhige Geburten und es gibt Geburten, die dich mehr fordern. Wichtig ist: Du darfst in jedem Moment neu entscheiden, was du brauchst.
Heute zeigen wir dir eine Methode, die fast nichts kostet, kaum Platz wegnimmt und vielen Frauen ein Gefühl von Kontrolle zurückgibt.

Warum ein Kamm bei Wehen helfen kann
Wenn du während einer Wehe etwas Festes in der Hand drückst, entsteht ein zweiter, klarer Reiz. Das kann dein Gehirn dabei unterstützen, den Wehenschmerz anders zu verarbeiten. Diese Idee passt zur Gate Control Theorie der Schmerzwahrnehmung, die beschreibt, dass nicht schmerzhafte Reize die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark beeinflussen können
Die Gate Control Theorie ist als Modell in der Schmerzforschung etabliert. Was nicht gut belegt ist, ist die konkrete Frage, wie stark „Kamm Akupressur“ unter der Geburt im Durchschnitt wirkt, weil dazu deutlich weniger hochwertige Studien existieren als zu anderen Methoden. Viele Erfahrungsberichte sprechen dafür, dass es sehr sehr hilfreich sein kann. Als low-risk Tool ist es deshalb für viele einen Versuch wert, solange du es als Unterstützung siehst, nicht als Versprechen.

So nutzt du den Kamm während der Wehen
Du nimmst den Kamm so in die Hand, dass die Zacken in die Handfläche zeigen, ungefähr dort, wo deine Finger in den Handteller übergehen. Dann umschließt du den Kamm fest und erhöhst den Druck während der Wehe, so wie es sich für dich richtig anfühlt. Viele lassen mit dem Abklingen der Wehe wieder los.
Was oft gut funktioniert, ist dieser Rhythmus: Beginn der Wehe, Druck aufbauen, Atmung finden, Druck halten, beim Abklingen langsam lösen. Es gibt Frauen, denen hilft es, sich dabei innerlich an einem Satz festzuhalten, zum Beispiel „Ich kann das“ oder „Welle für Welle“.
Wenn du einen längeren Kamm hast, kannst du ihn auch mit beiden Händen halten. Manche nutzen statt Kamm eine Akupressur Kugel aus Holz, das Prinzip ist ähnlich.

Für wen ist das besonders praktisch
Der Kamm ist so beliebt, weil er dich überall begleiten kann. Du kannst ihn im Wasser nutzen, in jeder Position, auch wenn du am CTG hängst. Und er funktioniert auch dann, wenn dein Geburtspartner gerade nicht drücken oder massieren kann.
Viele vergleichen die Logik dahinter mit TENS Geräten, die ebenfalls mit dem Prinzip arbeiten, Schmerz über einen zweiten Reiz zu modulieren. Zu TENS unter der Geburt gibt es mittlerweile mehr Forschung als zum Kamm. Einige Reviews und Meta Analysen zeigen eine mögliche Reduktion von Schmerz in der ersten Geburtsphase, die Qualität der Evidenz wird aber je nach Review unterschiedlich bewertet.
Was die Studienlage zu Akupressur allgemein sagt
Zur Akupressur in der Geburt gibt es mehr Daten als speziell zum „Kamm in der Hand“. Meta Analysen und randomisierte Studien deuten darauf hin, dass Akupressur in der aktiven Phase Schmerzen reduzieren kann, gleichzeitig wird die Studienqualität oft als moderat beschrieben und es braucht bessere Studien, um klare Aussagen zu treffen.
Was wir daraus mitnehmen: Es ist plausibel, es ist für viele spürbar hilfreich, aber es ist kein Garant. Und genau deshalb ist es so gut, mehrere Werkzeuge zu kennen.
Kleine Sicherheitshinweise, damit es wirklich hilfreich bleibt
Drücke so fest, dass es dir hilft, aber nicht so fest, dass deine Hand verkrampft oder taub wird. Wenn du merkst, dass du danach starke Schmerzen in der Hand hast, nimm weniger Druck oder wechsle auf eine Kugel.
Und noch etwas, das wir immer dazu sagen würden: Natürliche Methoden dürfen sich gut anfühlen, aber sie sollen dich nicht in ein „Ich muss das ohne alles schaffen“ bringen. Du darfst jederzeit Schmerzmittel, PDA oder andere medizinische Optionen wählen. Coping ist kein Wettbewerb, sondern Unterstützung.

Geburtskamm, Akupressurkugel und Geburts-TENS können als Teil eines kleinen Geburts-Toolsets gesehen werden: dazu kommen Atmung, Positionswechsel, Wärme, Wasser und liebevolle Begleitung. So nimmst du Druck raus und hast mehrere Möglichkeiten, dich Welle für Welle zu unterstützen. Für deine Kliniktasche empfehlen wir unseren Reflexzonenkamm für die Geburt, die Akupressurkugel als Alternative für die Hand und bei Bedarf ein Geburts TENS Gerät als zusätzliche Option. Kamm und Kugel sind außerdem auch ein wunderbares Hilfsmittel für Bauchgeburten, um Stress abzubauen, dich abzulenken und er kann dir helfen, im trubeligen OP Fokus zu finden.




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