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Artikel: Geburt im Vertrauen: Was wir von Michel Odent lernen können

Geburt im Vertrauen: Was wir von Michel Odent lernen können
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Geburt im Vertrauen: Was wir von Michel Odent lernen können

Viele Frauen spüren instinktiv: Geburt ist etwas zutiefst Natürliches. Und trotzdem leben wir in einer Welt, die uns oft das Gegenteil vermittelt. Kontrolle, Tempo, Beobachtung, Leistungsdruck. Als müsste Geburt „gemacht“ werden, statt geschehen zu dürfen.

Michel Odent hat diesen Blick über Jahrzehnte herausgefordert. Als französischer Chirurg und Geburtshelfer leitete er die Geburtshilfe am Krankenhaus in Pithiviers und wurde bekannt dafür, nicht nur über Techniken zu sprechen, sondern über das, was Geburt wirklich braucht: Schutz, Geborgenheit, Zeit. Er beobachtete, wie sehr Umgebung, Ruhe und das Gefühl von Sicherheit den Geburtsverlauf beeinflussen können. Er leitete aus seinen Erkenntnissen ab, dass Geburt in erster Linie nicht ein medizinisches Ereignis ist, sondern ein physiologischer, hormonell gesteuerter Prozess, der Vertrauen und Geborgenheit braucht. 

Dieser Text ist eine Hommage an seine Arbeit. Und gleichzeitig ein praktischer Reminder für dich: Du musst dich nicht mit dem Ziel vorbereiten, alles zu kontrollieren. Du darfst dich so vorbereiten, dass du loslassen kannst.

1) Geburt ist ein instinktiver Prozess

Odent hat immer wieder betont, dass Geburt am besten funktioniert, wenn der Körper ungestört arbeiten darf. Das bedeutet nicht „keine Medizin“. Es bedeutet: möglichst wenig Unterbrechungen, so viel Privatsphäre wie möglich, eine Umgebung, in der du dich sicher fühlst.

Für dich kann das heißen: Überlege, wo dein System weicher wird. Zuhause, Geburtshaus, Klinik. Es gibt kein richtig oder falsch, nur die Frage, wo du dich geschützt fühlst. Sprich mit deinem Geburtsteam darüber, was dir hilft, in Ruhe zu kommen.

2) Dein Körper hat alles, was er braucht

Geburt ist ein hormonell gesteuerter Prozess. Oxytocin und Endorphine sind dabei zentrale Mitspieler. Sie unterstützen Wehen, Bindung und auch die körpereigene Schmerzlinderung. Viele Faktoren, die Sicherheit vermitteln, können diese Prozesse begünstigen, während Stress sie eher hemmt.

Odent hat sehr stark auf genau diese „hormonfreundliche“ Perspektive geschaut und damit vielen Frauen eine neue Art von Vertrauen zurückgegeben. Wenn du dich vorbereitest, darfst du deshalb nicht nur über Abläufe nachdenken, sondern über Bedingungen: Was hilft dir, dich sicher zu fühlen? Gedämpftes Licht, Wärme, Vertrautheit, leise Stimmen. Dinge, die klein wirken, aber für dein Nervensystem groß sind.

Für dich kann das heißen: Gestalte deine Umgebung so, dass dein Körper „loslassen“ kann - gedämpftes Licht, Wärme, Musik oder ein vertrauter Duft können helfen.

3) Wasser kann Wunder wirken

Odent war einer der frühen Fürsprecher dafür, warmes Wasser in die klinische Geburtshilfe zu integrieren. Viele Frauen erleben Wasser als schmerzlindernd, beruhigend und entlastend, besonders in der Eröffnungsphase.

Für dich bedeutet das: Überlege, ob Wasser für dich eine Option ist. Vielleicht als Dusche, in der Entspannungswanne oder als Wassergeburt. Du musst dich nicht festlegen. Aber es kann hilfreich sein, vorher zu wissen, was deine Klinik anbietet und was du dir wünschst.

4) Die erste Stunde nach der Geburt ist heilig

 

Für dich bedeutet das: Sprich im Vorfeld an, dass du dir nach der Geburt möglichst ungestörte Zeit wünschst. Baby direkt auf deine Brust, wenn medizinisch nichts dagegenspricht. Untersuchungen und Routineabläufe so, dass sie euch nicht auseinanderreißen, wenn es nicht nötig ist.

 

5) Weniger Denken, mehr Fühlen

Ein zentraler Gedanke in Odents Arbeit ist, dass Geburt leichter fließen kann, wenn der „denkaktive“ Anteil unseres Gehirns möglichst wenig beansprucht wird. Viele Frauen kennen das: Eine Frage mitten in der Wehe, grelles Licht, viele Stimmen und plötzlich ist man wieder im Kopf.

Für dich bedeutet das: Erlaube dir, in deinen Geburtsraum einzutauchen. Weniger erklären, weniger bewerten, weniger „richtig machen“. Mehr Rhythmus, mehr Wiederholung, mehr Körper. Dein Partner oder deine Partnerin kann dabei eine Schlüsselrolle spielen, indem er oder sie den Raum schützt, Fragen bündelt und dich nicht aus dem Prozess herauszieht.

6) Geburt prägt weit über den Moment hinaus

Odent war überzeugt, dass Geburtserfahrungen Spuren hinterlassen: Im Körper, im Gefühl von Selbstwirksamkeit, in der Art, wie wir uns an diesen Übergang erinnern. Geburt ist bedeutsam. Und sie verdient Respekt. Wie wir Geburten gestalten, prägt nicht nur Individuen, sondern ganze Kulturen.

Für dich bedeutet das: Deine Geburt ist nicht nur ein Übergang für dein Kind. Sie ist auch eine Erfahrung für dich, die dich dein Leben lang begleiten wird. Du darfst sie bewusst gestalten. Du darfst dich stärken lassen. Und du darfst Unterstützung einfordern, wenn du sie brauchst.

Vertraue!

Michel Odent hat uns gelehrt, Geburt wieder als das zu sehen, was sie ist: ein zutiefst menschlicher, körpergesteuerter Prozess, der Schutz und Vertrauen braucht. Wenn du dich vorbereitest, dann nicht mit dem Ziel, alles zu kontrollieren, sondern indem du Bedingungen schaffst, in denen du loslassen kannst.

Dein Körper weiß mehr, als dein Kopf manchmal glaubt. Und du darfst ihm vertrauen. Dein Körper weiß, wie Geburt geht und du darfst darauf vertrauen.

er mehr über Odents Arbeit wissen möchte, kann sich in seine wichtigsten Werke „Die sanfte Geburt“, "Primal Health", „Die Scientifizierung der Liebe“, "The Functions of the Orgasms" und "The Future of Homo" einlesen.

Hast du schon einen Geburtsplan verfasst? Hier kannst du dich inspirieren lassen uns dir eine kostenlose Vorlage herunterladen.

Photo Credit: alle wunderschönen Bilder sind von Hannah Beil - Geburtsfotografie Heidelberg

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