
Selbstfürsorge im Wochenbett: das Fundament für starke Mamas
Mutter zu werden bedeutet, Selbstfürsorge neu zu definieren. Vor allem in den ersten Wochen und Monaten. Viele Routinen, die früher gut getan haben, brauchen Zeit und Raum, die im vierten Trimester oft schlicht nicht verfügbar sind. Und dann ist da trotzdem dieser Wunsch: Ich will mich nicht verlieren. Ich will weiterhin Dinge tun, die mir gut tun.
Wenn dann das Baby da ist, kippt die Realität für die meisten Frauen erstmal komplett. Das ist normal. Und trotzdem bleibt eine Wahrheit bestehen: Selbstfürsorge ist langfristig essenziell für eine erfüllte Mutterschaft. Selbstfürsorge heißt in dieser Phase nicht „alles wie früher“. Sie heißt: Du hast Bedürfnisse. Du darfst sie ernst nehmen. Und du darfst dir kleine Wege bauen, um deine Tankstelle wieder zu füllen. Diese kleinen Schritte machen langfristig den Unterschied, weil du dann nicht dauerhaft aus einem leeren Glas schöpfst.
Mutterschaft ist so ambivalent: Du bist oft isoliert und gleichzeitig nie allein. Du sehnst dich nach Raum und Freiheit und gleichzeitig nach Nähe, echten Gesprächen und Verbindung. Die Zeit mit deinem Baby kann wunderschön sein, sie füllt aber nicht automatisch alle Facetten deiner Person. Genau deshalb sind kleine Rituale, die dich unabhängig vom Baby wieder mit dir verbinden, so wertvoll.
Selbstfürsorge im Wochenbett: in kleinen Schritten und doch sehr wirksam.
Gerade am Anfang hilft es, winzige Dinge zu identifizieren, die dein Nervensystem beruhigen und dir das Gefühl geben: Ich bin noch da. Das kann eine Minute am Fenster sein, ein Lieblingssong, zwei Seiten Buch oder ein kurzer Gang vor die Tür. Wichtig ist nicht die Länge, sondern die Regelmäßigkeit.
7 Selfcare Rituale für frischgebackene Mamas
1) Beine an der Wand
Diese restorative Position kann 5 bis 20 Minuten dauern. Einmal täglich oder ein paar Mal pro Woche. Du kannst sie auch mit Baby auf der Brust machen. Viele Frauen empfinden sie als entlastend für Beine und Kreislauf, besonders wenn der Alltag viel Sitzen, Stillen oder Tragen bedeutet.
2) Kräuterbad oder Sitzbad
Wärme kann beruhigen, entspannen und sich einfach nach Zuhause anfühlen. Wenn du Geburtsverletzungen hast, sind Sitzbäder oft das praktischere Format. Wichtig: Hör auf deine Hebamme und deinen Körper. Manche Einrichtungen empfehlen bei Dammverletzungen eher Duschen statt längeres Baden, andere erlauben Baden, sobald es sich gut anfühlt, solange Hygiene und Wundpflege stimmen. Nach Kaiserschnitt gilt oft: Duschen ist meist früh möglich, Vollbäder lieber erst, wenn deine Hebamme grünes Licht gibt und die Wunde gut verschlossen ist.
3) Sonnenlicht und frische Luft
Wenn du kannst, geh kurz raus. Stell deine Füße auf den Boden, atme frische Luft, lass Tageslicht an deine Augen. Viele Frauen merken schnell: Das macht etwas mit der Stimmung. Wenn du im Wochenbett bist, heißt das nicht, dass du nicht kurz durchatmen darfst. Dein Tempo entscheidet.
4) Trockenbürsten
Trockenbürsten ist ein altes Ritual aus dem Ayurveda, oft Garshana genannt. Es dauert 3 bis 5 Minuten, zwei bis drei Mal pro Woche. Viele mögen das Gefühl, wieder „im Körper anzukommen“. Wichtig: Sanft bleiben. Nicht über frische Narben, nicht über gereizte Haut und nicht, wenn es sich unangenehm anfühlt.
5) Atemübungen, besonders Boxatmung
Atemarbeit ist ein schneller Weg, dein Nervensystem zu regulieren. Boxatmung ist super simpel und überall machbar:
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4 Sekunden einatmen
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4 Sekunden halten
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4 Sekunden ausatmen
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4 Sekunden halten
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3 bis 5 Runden
Atemtechniken können messbar die Herzratenvariabilität beeinflussen, ein Marker, der oft im Zusammenhang mit Stressregulation betrachtet wird.
6) Restorative Bewegung
Wenn du Bewegung liebst, starte ultra sanft. Es gibt sehr gute Postpartum Yoga und Pilates Einheiten, auch in 5 Minuten. Stelle „Heilung“ über „Leistung“. Wenn du unsicher bist, was gerade gut ist, frag deine Hebamme oder eine Physio mit Postpartum Fokus. Ein guter Start ist eine tiefe Bauchatmung und ein paar Minuten Bauchlage jeden Tag. Dann kannst du einfachen Übungen wie Cat-Cow oder eine Arm-Rückenmobilisation einbauen.
7) Zeit nur für dich
Das kann eine lange Dusche sein. Ein Tee in Ruhe. Kopfhörer rein, Augen zu. Oder ein Powernap. Kleine Momente nur für dich reduzieren oft auch dieses Gefühl von „ständig berührt werden“, das viele Mamas unterschätzen.
Eine letzte Sache, die wir dir mitgeben wollen
Selbstfürsorge ist kein Luxus. Sie ist essentiell für jeden Menschen. Sie ist ein Schutzfaktor. Für deine Stimmung, deine Stabilität, deine Beziehungen und am Ende auch für deine Kraft im Mama Alltag. Und ja: Es ist nicht immer machbar. Aber wenn es heute nur eine Minute ist, ist es trotzdem Selbstfürsorge.



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