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Artikel: The Joy of Missing Out: Die unterschätzte Zeit nach der Geburt

The Joy of Missing Out: Die unterschätzte Zeit nach der Geburt
Wochenbett

The Joy of Missing Out: Die unterschätzte Zeit nach der Geburt

Das Wochenbett beginnt direkt nach der Geburt – sobald dein Baby da ist und auch die Plazenta geboren wurde. In dieser Zeit passiert unglaublich viel: körperlich, hormonell, emotional. Die ersten Tage sind ein Ausnahmezustand, die ersten Wochen eine tiefgreifende Umstellung.

„Es ist ein seltsamer und wunderschöner Schwebezustand, der sowohl anstrengend als auch aufregend ist, gleichzeitig myseriös und monoton.“ (Heng Ou)

Die ersten 10 Tage wird als Frühwochenbett bezeichnet. Hier laufen viele akute Rückbildungs- und Heilungsprozesse. Bis sich der Körper erholt und ein Alltag mit Baby überhaupt ansatzweise sortiert, vergehen medizinisch oft 6 Wochen und in der Realität bei vielen deutlich, deutlich länger. 

Was das Wochenbett wirklich ist

Wochenbett ist nicht „Pause vom Leben“, sondern Heilungszeit. Dein Körper schließt Wunden, reguliert Hormone, stellt sich auf Stillen oder Füttern ein, und dein Nervensystem versucht, in einer komplett neuen Realität anzukommen.

Und während dein Baby sich an Licht, Geräusche und die Welt außerhalb des Bauches gewöhnt, müssen auch Eltern neu sortieren: Rollen, Routinen, Bedürfnisse, Grenzen. Tag und Nacht verschwimmen. Du veränderst dich.

Warum der Fokus so oft nur aufs Baby fällt

In vielen westlichen Kontexten liegt nach der Geburt fast automatisch der Spotlight auf dem Neugeborenen: Geschenke, Outfits, Erstausstattung, „funktioniert es schon?“. Klar – Babys sind zart, süß, schutzbedürftig.

Aber dabei geht leicht verloren, was viele Kulturen seit jeher wissen:
Wenn die Mutter getragen wird, kann sie ihr Baby tragen.

Denn die Fürsorge für die Mutter ist kein „Wellness-Thema“, sondern kann langfristig schützen – körperlich und seelisch

Wochenbett weltweit: Mutter schützen ist Tradition

Kulturell gesehen ist die Zeit Postpartum eine Zeit des Schutzes von Mutter und Kind. Die Stellung der neu gebackenen Mama ist leider in vielen Teilen der westlichen Kultur etwas verloren gegangen, während die Frau in anderen Kulturen wie eine Heldin umsorgt wird. Es gibt Rituale und klare Rahmenbedingungen, die alle dasselbe Ziel haben: Ruhe, Wärme, Versorgung, Rückzug.

In der chinesischen Lehre heißt es außerdem, dass eine gute Pflege in dieser Zeit die Voraussetzung für weitere Kinder ist, sowie ein angenehmes Altern ermöglicht. So wird in China noch heute Zou Yuezi, das Monatssitzen praktiziert. Einen Mondzyklus lang liefert diese alte Tradition die Verhaltensregeln für frisch gebackene Mütter, die darauf abzielt, den weiblichen Körper nach der Schwangerschaft wieder in Balance zu bringen und sich zu erholen. Erholung, Ruhe und das Stillen stehen an erster Stelle. In Mexiko wird das traditionelle „Cuarentena“ praktiziert, in Japan das “SATOGAERI SHUSSAN“ und in Finnland gibt es Hilfe von der „Neuvolatäti“. Wir selbst haben unsere ganz persönlichen Erfahrungen damit gemacht und gemerkt, was in unserer Kultur derzeit am meisten fehlt: der angemessene Rahmen und die Zeit, die es Frauen erlaubt, in ihrem eigenen Tempo Mama zu werden

Was uns oft fehlt: Zeit, Rahmen, Erlaubnis

Warum wird dieser Teil des Gebärens bei uns so oft ausgeblendet?

Vielleicht, weil die Vorbereitung häufig bei der Geburt endet.
Vielleicht, weil Social Media uns suggeriert, man sei „schnell wieder die Alte“.
Vielleicht, weil viele Ratgeber das Wochenbett nur streifen.
Vielleicht, weil wir verlernt haben, Mütter wirklich zu umsorgen.

Die gute Nachricht: Es findet ein Umdenken statt. Immer mehr Frauen erzählen echte Geschichten. Immer mehr Familien nehmen Tempo raus. Und immer mehr Menschen verstehen: Das Wochenbett ist nicht nebensächlich: Es ist der Anfang von allem.

Was du dir mitnehmen darfst

Du musst dich in dieser Zeit nicht beweisen. Du musst nicht „funktionieren“. Du musst nicht schnell wieder „zurück“. Was du brauchst, ist ein Rahmen, der dich hält:

  • Unterstützung, ohne dass du ständig darum bitten musst

  • Entlastung im Alltag (Essen, Haushalt, Orga)

  • Menschen, die auch dich sehen – nicht nur das Baby

  • Eine Nachsorgehebamme als Anker (und ja: das ist eine Stärke unseres Systems)

Manchmal beginnt Hilfe mit einem einzigen Satz von außen:
„Und wie geht’s eigentlich dir? Wahnsinn, was du geleistet hast.“

Wir wünschen uns, dass Frauen geheilt, gestärkt und zuversichtlich aus dem Wochenbett kommen. Dass diese Wochen wieder den Stellenwert bekommen, den sie verdienen. Und dass du dir erlaubst, dich ernst zu nehmen: mit deiner Erschöpfung, deiner Heilung, deinen Emotionen und deinem Tempo.

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