Artikel: Geburtsort wählen: Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt – was passt zu dir?

Geburtsort wählen: Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt – was passt zu dir?
Mit fortschreitender Schwangerschaft rückt sie immer näher: die Frage, wo euer Baby zur Welt kommen soll. Für viele fühlt sich das erstmal nach „Hauptsache sicher“ an – und gleichzeitig nach einer Entscheidung, die irgendwie riesig ist. Spoiler: Ist sie auch. Nicht, weil es den einen richtigen Ort gibt, sondern weil dein Sicherheitsgefühl, deine Betreuung und euer Start als Familie stark davon geprägt werden.
In Deutschland finden die meisten Geburten in der Klinik statt; geplante außerklinische Geburten (Geburtshaus und Hausgeburt) machen einen kleinen Anteil aus.
Warum der Geburtsort so viel ausmacht
Der Geburtsort beeinflusst nicht nur medizinische Möglichkeiten, sondern auch Dinge, die man oft unterschätzt:
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Wie gut du dich fallen lassen kannst
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Wie kontinuierlich du betreut wirst
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Wie viele Interventionen wahrscheinlich werden
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Wie euer Wochenbettstart organisiert ist (z. B. stationär vs. ambulant)
Und ja: Viele entscheiden auch aus dem Bauch heraus, weil sie spüren, wo sie sich sicher, gesehen und gehalten fühlen. Das ist nicht „unwissenschaftlich“, das ist ein ziemlich wichtiger Faktor. Wo euer Baby auf die Welt kommen soll, wird aber mit die wichtigste Entscheidung werden, die ihr in der Schwangerschaft trefft - wenn nicht gar in eurem Leben! Die Geburt und wie ihr geboren habt wird euer Leben für immer beeinflussen.

Geburt im Krankenhaus: Was du wissen solltest
Für wen ist die Klinik besonders passend?
Eine Klinik kann sich besonders richtig anfühlen, wenn ihr euch wünscht:
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maximale medizinische Optionen direkt vor Ort (z. B. PDA, OP-Team, Pädiatrie)
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mehr Sicherheit bei Risikoschwangerschaften oder zu erwartenden Komplikationen
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die Möglichkeit, nach der Geburt stationär zu bleiben
Klinik ist nicht gleich Klinik
Krankenhäuser unterscheiden sich stark – in Team, Haltung, Routinen und Ausstattung. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die Entfernung, sondern auch euer Gefühl und das Versorgungskonzept anzuschauen.
Perinatalzentrum vs. „normale“ Geburtsklinik
Wenn absehbar ist, dass euer Baby nach der Geburt intensive Versorgung brauchen könnte (z. B. bei drohender Frühgeburt), kann ein Perinatalzentrum sinnvoll sein. Für eine unkomplizierte Schwangerschaft kann auch eine kleinere Klinik gut passen – entscheidend ist, dass ihr euch dort gut aufgehoben fühlt.
Hebammenbetreuung: Schichtdienst, Realität und Optionen
In vielen Kliniken betreuen Hebammen im Schichtsystem. Das heißt: Personalwechsel kann passieren – und die Betreuungsintensität hängt (leider) auch von der Auslastung ab. Dass die Versorgungsrealität in Kliniken stark durch Personalressourcen geprägt ist, wird auch in offiziellen Berichten und Empfehlungen zur Geburtshilfe thematisiert.
Wenn euch Kontinuität wichtig ist, könnt ihr prüfen:
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Beleghebamme (falls verfügbar): feste Begleitung, meist mit Rufbereitschaft.
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hebammengeleiteter Kreißsaal: ein Modell, in dem Hebammen eigenverantwortlich Geburten bei geeigneten Voraussetzungen betreuen.
Ambulante oder stationäre Geburt: was heißt das konkret?
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Stationär: Ihr bleibt nach der Geburt (oft 2–4 Tage; nach Kaiserschnitt meist länger). Untersuchungen wie U1/U2 laufen organisiert im System.
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Ambulant: Ihr geht nach einigen Stunden nach Hause, wenn medizinisch alles stabil ist. Dann ist besonders wichtig: Nachsorgehebamme + U2-Termin (Kinderarzt/ärztliche Stelle) sind fix organisiert.

Geburtshaus: Die Alternative mit Hebammenfokus
Was viele daran lieben
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wohnliche Atmosphäre
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1:1-Betreuung als Standardgedanke
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viel Ruhe, oft weniger „Klinikmodus“
Was Geburtshäuser nicht anbieten
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PDA ist im Geburtshaus nicht möglich
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bei Bedarf wird in eine Klinik verlegt (das ist kein „Scheitern“, sondern Teil des Sicherheitskonzepts)
Sicherheit & Auswahlkriterien
Geburtshausgeburten sind an klare Kriterien gebunden (Low-Risk). Daten aus der außerklinischen Qualitätserfassung zeigen insgesamt sehr gute Ergebnisse – gleichzeitig gehört das Thema Verlegung (Transfer) realistisch dazu.
Mini-Checkliste für euren Klinik-/Geburtshaus-Infoabend
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Wie läuft die Betreuung bei hoher Auslastung?
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Wie viele Geburten pro Jahr?
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Wie wird mit Geburtswünschen umgegangen (Bewegung, Positionen, Interventionen und einem eigenen Geburtsplan)?
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Wie wird Stillstart/Bonding unterstützt?
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Wie sieht die Wochenbettstation aus (Zimmer, Besuch, Unterstützung)?
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Welche Optionen gibt es bei Schmerzmanagement?
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Wann wird verlegt (im Geburtshaus) und wohin?

Hausgeburt: Geburt in den eigenen vier Wänden
Voraussetzungen
Eine Hausgeburt ist in der Regel an medizinische Einschluss-/Ausschlusskriterien gebunden, die im Verlauf der Schwangerschaft immer wieder geprüft werden.
Was ihr unbedingt einplanen solltet
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frühzeitig eine Hebamme finden, die Hausgeburten begleitet (oft sehr begrenzte Kapazitäten)
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ein Plan für den Fall der Fälle: welche Klinik, welcher Weg, was ist gepackt?
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ein realistischer Blick auf Betreuung: Hausgeburt bedeutet nicht „alleine“ – sondern eng begleitet, mit klarer Entscheidungslogik für einen Transfer
Auch hier gilt: Geplante außerklinische Geburten werden erfasst und ausgewertet, inklusive Outcomes und Verlegungsraten.
Entscheidungshilfe: 12 Fragen, die euch wirklich weiterbringen:
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Wo fühlst du dich sicherer: in medizinischer Nähe oder in vertrauter Umgebung?
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Wie wichtig ist dir PDA als Option?
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Was brauchst du, um unter Geburt loslassen zu können (Licht, Ruhe, Menschen, Sprache)?
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Wie wichtig ist dir Kontinuität (gleiche Hebamme durchgehend)?
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Wie gehst du mit der Idee um, bei Bedarf verlegt zu werden?
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Was sagt deine Hebamme – und wie passt das zu deinem Gefühl?
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Möchtest du eher stationär bleiben oder lieber früh nach Hause?
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Wie sieht eure Betreuung zu Hause aus (Partner:in, Familie, Mütterpflege, Freunde)?
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Wie weit ist der Weg zur nächsten geeigneten Klinik?
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Wie wichtig ist euch ein Konzept wie bonding-/stillfreundliche Abläufe?
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Welche Geburtserfahrungen prägen dich (eigene, Familie, Social Media) – und was davon ist wirklich deins?
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Wenn du ganz ehrlich bist: Wo kannst du am ehesten denken: „Hier werde ich gut begleitet“?
Wir hoffen sehr, dass wir dir einen guten Überblick über die Optionen verschaffen, sowie einige deiner Fragen beantworten konnten. Wir wünschen uns, dass du bei diesem Thema eine gut informierte und wohl überlegte Entscheidung frei treffen darfst. Du hast immer die Möglichkeit, dir Kreißsäle und Geburtshauser anzuschauen, auf dich wirken zu lassen und Fragen zu stellen. Egal wofür du dich entscheidest: Der beste Geburtsort ist der, an dem du dich sicher, respektiert und gut begleitet fühlst - medizinisch und emotional. Schau dir Optionen an, stell Fragen, hör auf deinen Bauch (und hol dir die Fakten dazu). Und wenn du merkst, du brauchst jemanden, der das mit dir sortiert: genau dafür gibt es Hebammen, Beratungen und gute Begleitung.
Quellen:
Photo Credit: die wunderschönen Bilder sind von der Heidelberg Fotografin Hannah Beil
https://www.quag.de/quag/geburtenzahlen.htm
http://www.quag.de/quag/empfehlungen.htm
https://iqtig.org/downloads/auswertung/2017/16n1gebh/QSKH_16n1-GEBH_2017_BUAW_V02_2018-08-01.pdf


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