
Ein gelungener Stillstart: So legst du den Grundstein für eine entspannte Stillzeit
Eins vorweg: Eine gute Mutter zu sein hat nichts damit zu tun, ob oder wie du stillst. Du entscheidest, was zu euch passt. Wenn ihr nicht stillen möchtet oder nicht stillen könnt, ist das genauso okay. Wenn du stillen möchtest, bringst du sehr vieles dafür von Natur aus mit. Stillen ist für die meisten Frauen grundsätzlich möglich, gleichzeitig ist es eine Fähigkeit, die Mutter und Baby gemeinsam lernen. Das braucht Zeit, Ruhe, Geduld und oft auch Unterstützung.
Ein guter Stillstart ist keine Magie (aber sehr oft auch nicht das natürlichste der Welt), sondern das Zusammenspiel aus frühem Kontakt, häufigem Anlegen und einem tiefen, schmerzfreien Andocken. Genau darum geht es in diesem Artikel.
Stillen ist im Grunde sehr intuitiv, aber das Lernen ist ein Prozess. Wenn man nie vorher gestillt hat, wie soll man dann wissen wie es sich anfühlen soll, wie ein Baby richtig saugt, welche Stellungen es gibt oder wie du Stillproblemen vorbeugen oder sie behandeln kannst? Stillen kann vor allem am Anfang mit viel Arbeit verbunden sein, aber ein guter Anfang ebnet den Weg für eine gute Stillbeziehung.
Die drei wichtigsten Grundlagen für einen guten Stillstart
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Richtig anlegen
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Oft genug anlegen
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Ruhe, Geduld und Unterstützung
Von Anfang an: Was direkt nach der Geburt hilft
Dein Körper ist in der Schwangerschaft bereits auf Stillen vorbereitet. Nach der Geburt kann ein früher Start vieles erleichtern. Was besonders hilfreich ist:
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Früher Hautkontakt, idealerweise direkt nach der Geburt und möglichst ungestört.
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Dein Baby darf selbst zur Brust finden, wenn ihr die Zeit dafür habt. Das wird oft als “Breast Crawl” beschrieben.
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Lass dir direkt zeigen, wie tiefes Anlegen aussieht und welche Positionen für dich bequem sind.
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Bitte früh um Hilfe, sobald etwas schmerzt oder sich “nicht richtig” anfühlt. Frühe Korrekturen sind oft der größte Hebel.

Richtig anlegen: So geht es möglichst schnell schmerzfrei
Gutes Anlegen ist die Basis. Die Kennzeichen von gutem Anlegen und einer bequemen Stillposition sind, dass du dich beim Stillen entspannen kannst, stillen nicht weh tut, dein Baby effektiv trinken kann und deine Brustwarzen dabei nicht belastet werden. Am Anfang wirst du etwas länger brauchen, um dich und dein Baby in die richtige Position zu bringen. Deshalb macht es Sinn mit dem Stillen zu starten, wenn dein Baby nur leichte Hungerzeichen zeigt und noch relativ entspannt ist. So gelingt es dir:
Mach es dir bequem
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Stütze Rücken, Arme und Schultern gut ab.
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Lege Kissen so, dass dein Baby nah an dir liegt, ohne dass du dich nach vorn beugen musst.
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Du solltest dich beim Stillen entspannen können.
Viel Körperkontakt
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In vielen Positionen hilft es, wenn Baby Bauch an Bauch liegt.
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Wenn es für euch passt, ist Hautkontakt besonders am Anfang oft unterstützend.
Der Startpunkt: Nase auf Höhe der Brustwarze
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Positioniere das Baby so, dass die Nase auf Höhe der Brustwarze oder leicht darunter ist.
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Das Baby darf den Kopf leicht in den Nacken nehmen und den Mund weit öffnen.
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Ziel ist, dass nicht nur die Brustwarze, sondern auch möglichst viel Warzenhof im Mund ist.
Tiefer Mund, nicht nur Spitze
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Ein weiter, tiefer Mundschluss verhindert, dass die Brustwarze gequetscht wird.
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Wenn es zwickt oder zieht, löse sanft den Unterdruck (zum Beispiel mit einem sauberen Finger im Mundwinkel) und lege neu an.
Wenn die Brust sehr prall ist
Manchmal ist es am Anfang schwer, die Brust gut zu fassen, wenn sie stark gespannt ist. Dann kann helfen:
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Ein paar Tropfen ausstreichen, damit der Warzenhof weicher wird.
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Die Brust kurz so formen, dass dein Baby mehr Gewebe fassen kann.
Lass dir das im Zweifel von Hebamme oder Stillberaterin zeigen, damit es angenehm und effektiv bleibt.
Woran du erkennst, ob dein Baby effektiv trinkt
Diese Zeichen sprechen häufig für gutes Saugen und effektives Trinken:
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Der Mund ist weit geöffnet.
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Die Lippen sind nach außen gerollt, vor allem die Unterlippe.
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Die Wangen wirken nicht eingezogen.
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Du siehst oder hörst regelmäßiges Schlucken, oft am Hals erkennbar.
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Nach dem Stillen ist die Brustwarze eher rund und nicht kantig oder spitz.
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Manche Babys haben eine kleine Saugblase an der Oberlippe, das kann vorkommen.
Wenn Stillen weh tut, die Brustwarze nach dem Stillen stark verformt ist oder du unsicher bist, lohnt sich Hilfe sofort.
Stillpositionen: Finde deine 2 bis 3 Favoriten
Du kannst grundsätzlich in vielen Positionen stillen. Wichtig ist, dass du dich dabei wohlfühlst und dein Baby tief andockt. Viele starten gern mit:
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Wiegehaltung
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Rückenhaltung oder Football Haltung
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Seitenlage, besonders nachts oder zur Erholung
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Aufrechtes Stillen, wenn Reflux oder viel Unruhe im Spiel ist
Ein bewährter Merksatz: Kind zur Brust, nicht Brust zum Kind. Stillpositionen im Still Lexikon ansehen.
Wie oft solltest du anlegen?
Gerade am Anfang gilt meist: häufig, flexibel, nach Bedarf. Viele Babys trinken in den ersten Tagen sehr oft, manchmal 8 bis 12 Mal in 24 Stunden, manchmal auch mehr. Abstände von 1 bis 3 Stunden können normal sein. Nach einer anstrengenden Geburt kann es auch eine längere Ruhephase geben. Wichtig ist weniger die Uhrzeit, sondern die Gesamtsumme:
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Dein Baby sollte regelmäßig trinken.
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Es sollte insgesamt genug aufnehmen, um gut versorgt zu sein.
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Bei Unsicherheit sind Hebamme oder Kinderarztpraxis die beste Adresse, damit ihr nicht allein rätselt.
Brust entleeren: Warum das wichtig ist
Die Milchzusammensetzung verändert sich während einer Mahlzeit. Viele Babys bekommen zu Beginn eher durstlöschende Milch und später fettreichere Milch. Eine gute Entleerung unterstützt die Milchbildung und kann helfen, Spannungsgefühlen oder Milchstau vorzubeugen.
Wenn aus der anderen Brust Milch ausläuft, kann ein Milchauffangbehälter praktisch sein, ohne dass du zusätzlich pumpen musst.
Stillstart Video mit den wichtigsten Grundlagen ansehen











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