
Geburtsplan verfassen: Unsere Tipps inkl. kostenloser Vorlage
Immer mehr Frauen bereiten sich mit einem Geburtsplan auf die bevorstehende Geburt vor. Und zurecht wird das Wort „GeburtsPLAN“ diskutiert, denn eine Geburt ist kein planbares Ereignis.
Macht ein Geburtsplan dann überhaupt Sinn? Wir finden: ja.
Nicht, weil du damit alles kontrollieren kannst, sondern weil der Weg dorthin dich stärkt.
Denn das Ziel ist nicht ein perfekt ausgestalteter „Plan“, sondern:
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dass du dich informierst,
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deine Prioritäten kennst,
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und in der Klinik klar kommunizieren kannst, was dir wichtig ist.
Das Wissen, das du dir dabei aneignest, ist ein Werkzeug für eine selbstbestimmte Geburt. Du sollst und darfst deine Geburt aktiv mitgestalten. Unsere Hebamme Julia sagt immer:
“Frauen sollen die Verantwortung für “ihre” Geburt nicht an der Kreißsaaltür abgeben, sondern im besten Fall sie selbst bleiben”.

Geburtsplan = Kommunikation, nicht Kontrolle
Ein guter Geburtsplan ist:
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kurz (max. 1 Seite),
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klar (Bulletpoints statt Fließtext),
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realistisch (Prioritäten statt Wunschkonzert),
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flexibel (mit Plan B / „wenn nötig…“-Optionen).
Denn: Deine Vorstellungen dürfen sich im Laufe der Schwangerschaft ändern und auch unter der Geburt können sich Wünsche verändern. Lass in deinem Plan (und in deinem Kopf) Raum für Abweichungen. Das nimmt Druck und beugt Enttäuschungen vor. Selbst wenn eine Geburt ungeplant anders verläuft (z. B. Kaiserschnitt), kann sie trotzdem sehr selbstbestimmt sein.
Warum deine Geburtsbegleitung den Plan kennen muss
Eine Umfrage zeigte, dass mehr als die Hälfte der Frauen ihre:n Geburtspartner:in nicht in ihre Wünsche involviert. Dabei ist das enorm wichtig: Unter der Geburt ist deine Begleitung oft deine wichtigste Stimme nach außen, besonders, wenn du gerade nicht sprechen möchtest oder kannst.
Je besser deine Begleitung weiß, was du willst (und was nicht), desto besser kann sie:
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dich schützen,
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nachfragen,
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Optionen klären lassen,
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und dich emotional stabilisieren.
Warum Klinikteams davon profitieren
Hebammen und Ärzt:innen im Kreißsaal kennen euch oft nicht. Sie brauchen schnell einen Eindruck von euren Vorstellungen, um bestmöglich darauf eingehen zu können.
Deshalb gilt: kurz + freundlich + konkret.
Niemand hat Zeit, einen Roman zu lesen, aber ein sauberer OnePager ist Gold wert.
Was aktuelle Leitlinien als gute Orientierung geben
Als Basis für deine Recherche eignen sich die S3-Leitlinien zur vaginalen Geburt am Termin (AWMF 015-083). Sie bündeln wissenschaftliche Erkenntnisse und beschreiben u. a. physiologische Abläufe, sinnvolle Interventionen und wann Zurückhaltung sinnvoll sein kann.
Beispiele, die für viele Frauen hilfreich sind (je nach Situation/Setting):
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Interventionen und Untersuchungen sollen mit Aufklärung und Einverständnis erfolgen z. B. auch bei vaginalen Untersuchungen.
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Der Fokus liegt darauf, physiologische Prozesse zu unterstützen und Interventionen dort einzusetzen, wo sie nötig sind.
Wichtig: Bei Risiken/Komplikationen gelten teils andere Empfehlungen. Der Geburtsplan ist immer im Kontext eurer individuellen Situation zu sehen.

So baust du deinen Geburtsplan auf (OnePager-Struktur)
Damit dein Plan im Kreißsaal wirklich genutzt wird, empfehlen wir diese Reihenfolge:
1) Basics (oben, in 10 Sekunden erfassbar)
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Name, ET, Begleitung (Name/Telefon)
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Sprache / Besonderheiten (z. B. Hörgerät, Angst vor Nadeln, Trauma-sensibel)
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„Das hilft mir“ (z. B. ruhige Ansprache, wenig Smalltalk, gedimmtes Licht)
2) Geburt allgemein
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Bewegung / Positionen (frei bewegen, aufrechte Positionen, etc.)
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Atmosphäre (Licht, Musik, leise Stimmen)
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Intimsphäre (möglichst wenige Personen im Raum, wenn machbar)
3) Schmerzmanagement
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zuerst ohne Medikamente (Wärme, Dusche, Atem, TENS – falls vorhanden)
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wenn nötig: Optionen (PDA ja/nein/offen, Lachgas falls verfügbar, etc.)
4) Interventionen (deine Haltung)
Hier ist „Wenn–dann“ super hilfreich:
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„Wenn medizinisch nötig, dann bitte kurz erklären + Einverständnis einholen.“
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„Bitte vor Maßnahmen einmal Optionen/Alternativen nennen (wenn Zeit ist).“
5) Nach der Geburt (Bonding & erste Stunde)
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Direktes Bonding / Hautkontakt (wenn möglich)
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Abnabeln (so wie ihr es wünscht, falls möglich)
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Stillstart/Anlegen: Unterstützung erwünscht / erstmal Ruhe
6) Wenn es anders kommt (Plan B)
Dieser Teil macht deinen Plan und damit auch dein Mindest stark:
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„Wenn Kaiserschnitt nötig: Was ist uns dann wichtig?“
(z. B. Begleitung dabei, Bonding so früh wie möglich, ruhige Erklärung)
Unser Motherside-Guide + Vorlage
Als wir damals unseren Geburtsplan erstellt haben, haben wir kein Format gefunden, das wirklich:
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übersichtlich ist,
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die wichtigsten Mitgestaltungspunkte erklärt,
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und sich schnell im Kreißsaal lesen lässt.
Deshalb haben wir, gemeinsam mit den Hebammen in unserem Team und mit der Erfahrung aus vielen Geburtsbegleitungen einen Guide inkl. OnePager-Vorlage erstellt: zum Ausdrucken, Ausfüllen und Mitnehmen in die Kliniktasche.
Unser Tipp: Sprich den Plan vorab mit deiner Hebamme durch und kläre im Klinik-Vorgespräch, was in eurem Geburtsort wie umsetzbar ist. Deine Wünsche sind oft auch ein guter Kompass dafür, welcher Geburtsort wirklich zu dir passt.
Wir wünschen dir von Herzen eine Geburt, in der du dich sicher, gesehen und bestärkt fühlst.
Eine gute Kurzfassung findest du hier: Kurzfassung der S3-Leitlinie
Wer sich in die lange Fassung einlesen möchte, findet sie hier: S3 Leitlinie



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