
Beschwerden in der Schwangerschaft: Ursachen, Hilfe und Warnzeichen
Dein Körper macht in der Schwangerschaft enorme Veränderungen durch. Hormone, Stoffwechsel, Kreislauf, Verdauung, Bänder, Haut – alles stellt sich um, weil dein Körper gerade einen kleinen Menschen baut. Und ja: Das kann wunderschön sein. Und gleichzeitig wirklich herausfordernd. Es ist völlig okay, nicht jede Sekunde dieser Zeit zu genießen. Niemand muss Übelkeit, Blasendruck, Hämorrhoiden oder Schmerzen „wegatmen“, nur weil Schwangerschaft keine Krankheit ist. Du darfst genervt sein. Du darfst müde sein. Und du darfst dich ernst nehmen.
Wichtig: Nimm Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder stärkere Kräuterpräparate in der Schwangerschaft nur in Absprache mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme ein. Damit du dich ein bisschen orientieren kannst, findest du hier die häufigsten Beschwerden, was dahintersteckt, was im Alltag oft hilft und wann du besser einmal zu viel als zu wenig abklären lässt.
Ein kurzer Kompass: Was du lieber früher abklären solltest
Bitte melde dich bei einer Fachperson, wenn du eines davon bemerkst: anhaltendes Erbrechen mit Dehydrierung oder deutlichem Gewichtsverlust, starke oder zunehmende Schmerzen, Blutungen, Fieber, plötzliche starke Schwellungen, Atemnot, Sehstörungen, heftige Kopfschmerzen, Ohnmacht, oder wenn dein Bauchgefühl sagt „das fühlt sich nicht richtig an“.
Übelkeit und Erbrechen
Übelkeit in der Schwangerschaft ist sehr häufig. Schätzungen liegen bei etwa 70 bis 80 Prozent der Schwangeren. Warum das passiert, ist nicht vollständig geklärt. Hormonelle Umstellungen und der Anstieg des Hormones hCG spielen aber eine zentrale Rolle. belkeit und Erbrechen können auch in Zusammenhang mit niedrigem Blutdruck oder psychischen Faktoren stehen.
Was vielen hilft, ist weniger „der eine Trick“, sondern kleine, konsequente Entlastung im Alltag: Ein kleiner (salziger) Snack direkt vor dem Aufstehen, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag, ausreichend trinken und Trigger vermeiden, wenn du sie kennst. Auch Ingwer wird häufig genutzt: Ingwer gilt als Option mit etwas Evidenz, Supplements sollten dennoch nur mit Rücksprache eingenommen werden. Auch Zitrusfrüchte haben sich bewährt. Entweder probierst du, frische Zitrusfrüchte zu lutschen oder du schnupperst den Duft von Zitrone, Mandarine & Co.
Müdigkeit
Gerade im ersten und dritten Trimester fühlen sich viele Schwangere übermäßig erschöpft. Hormonveränderungen, besonders Progesteron und das erhöhte Blutvolumen spielen eine große Rolle.
Manchmal hilft es, den Anspruch zu senken: öfter hinlegen, Aufgaben abgeben, kleine Spaziergänge statt „Sportprogramm“, regelmäßige, nährende Mahlzeiten. Wenn du aber ungewöhnlich stark abgeschlagen bist oder das Gefühl hast, dein Körper „kippt weg“, lass Werte wie Eisen (Ferritin im Vollblut) mit überprüfen. Extreme Müdigkeit kann auch mit Anämie oder anderen Faktoren zusammenhängen.
Dehnung der Mutterbänder (runde Mutterbänder)
Viele Frauen spüren in der Schwangerschaft ein Ziehen oder Stechen seitlich im Unterbauch, besonders bei schnellen Bewegungen, Husten oder Positionswechsel. Oft steckt dahinter, dass Bänder und Strukturen sich an das Wachstum der Gebärmutter anpassen.
Wärme, langsames Aufstehen, schonendes Bewegen und kurze Pausen helfen häufig. Und auch hier gilt: Wenn du unsicher bist oder der Schmerz stark wird, lass es abklären.
Schlafstörungen
Schlaf wird in der Schwangerschaft oft leichter, brüchiger und manchmal einfach zu wenig. Wachsende Rundungen, Harndrang, Gedankenkreisen - all das ist normal.
Was viele entlastet: Seitenschläferkissen oder ein Kissen zwischen den Knien, abends weniger trinken, wenn dich Harndrang stark stört, und ein ruhiges Abendritual. Wenn Gedanken kreisen, hilft manchmal ein Notizzettel neben dem Bett - alles raus aus dem Kopf, sodass du am nächsten Morgen darauf zurückgreifen kannst. Lavendel als Duft, ein Kräutertee am Abend, Meditationen, Yoga oder ein schönes Bad haben uns geholfen um Abends runter zu kommen.
Hämorrhoiden
Hämorrhoiden sind in der Schwangerschaft sehr häufig, weil hormonelle Veränderungen, mehr Druck im Becken und Verstopfung sie begünstigen. Jede zweite Frau ist in der Schwangerschaft von Hämorrhoiden betroffen. Wichtig: Blut am Toilettenpapier, starke Schmerzen oder Nässen sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Zur Linderung empfiehlt sich unter anderem: ausreichend Flüssigkeit, ballaststoffreiche Ernährung, warme Sitzbäder, Eispack oder Hamamelis-Salben. Im Alltag kann außerdem helfen, den Stuhl weich zu halten und beim Toilettengang die Haltung zu verbessern (Füße leicht erhöht), damit weniger Druck entsteht.
Symphysenlockerung, Becken- und Rückenschmerzen
Durch hormonelle Veränderungen werden Bänder und Gelenke weicher. Bei manchen Frauen führt das zu Beckenringbeschwerden, Schmerzen an der Symphyse oder im unteren Rücken. Das kann sehr belastend sein und es ist wichtig, das ernst zu nehmen.
Es empfiehlt sich bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft unter anderem: aktiv bleiben, aber Überlastung vermeiden, Pausen einbauen, Bewegungen anpassen und bei Bedarf einen Beckengurt über Physiotherapie nutzen. Physiotherapie, osteopathische Unterstützung oder gezielte Übungen können vielen helfen – vor allem, wenn du früh Unterstützung holst. Bei einer Sympysenlockerung Treppensteigen, Ausfallschritte und Schneidersitz vermeiden. Für die Bewältigung des Alltags haben wir beide einen Stützgurt getragen, das war eine große Entlastung.
Schwangerschaftsstreifen und Juckreiz
Schwangerschaftsstreifen entstehen durch Risse in der tieferen Hautschicht bei starker Dehnung. Ob und wie stark sie auftreten, ist sehr genetisch geprägt. Man cremt und ölt wie wild, dabei gibt es entgegen den Versprechen der Kosmetikindustrie, rein gar nichts, was du äußerlich zur Vorbeugung tun kannst.
Was du beeinflussen kannst, ist dein Wohlbefinden: Wenn die Haut spannt und juckt, können reichhaltige, möglichst duftfreie Öle oder Cremes den Juckreiz lindern. Auch sanftes Bürsten und gute Ernährung können helfen, Haut und Gewebe zu stärken.
Häufiger Harndrang und Inkontinenz
Mehr Harndrang ist in der Schwangerschaft normal. Die Nieren arbeiten stärker, später drückt die Gebärmutter auf die Blase. Gegen Ende kann auch Tröpfeln beim Niesen oder Husten auftreten.
Beckenbodentraining ist hier wirklich ein Geschenk an dein zukünftiges Ich. Wenn du unsicher bist, lass dir Übungen von Hebamme oder Physiotherapie zeigen, damit du nicht „falsch“ trainierst. Und wenn du dich damit im Alltag wohler fühlst, sind dünne Einlagen völlig legitim.
Sodbrennen
Sodbrennen wird gegen Ende häufig, weil Hormone den Schließmuskel am Magen beeinflussen und der Druck im Bauchraum steigt. Kleine Mahlzeiten, fettärmere Kost und ein erhöht gelagerter Oberkörper können helfen.
Sonst gibt es in der Apotheke viele Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind und Beschwerden lindern. Wenn dich das Sodbrennen nachts um den Schlaf bringt, kannst du versuchen den Kopf und Oberkörper hoch zu lagern.
Schwindel und Kreislaufprobleme
In der Schwangerschaft kann ein stärker belastetes Herz, ein höheres Blutvolumen, bis zu 25% mehr Blut, Stoffwechselveränderungen oder Eisenmangel zu phasenweise niedrigem Blutdruck sowie Kreislaufproblemen, Schwindel oder sogar Ohnmacht führen. Wichtig ist, das abklären zu lassen, besonders wenn es häufig vorkommt.
Ein praktischer Hinweis: Später in der Schwangerschaft kann flaches Liegen auf dem Rücken Schwindel auslösen, weil die Gebärmutter große Gefäße komprimieren kann. Oft hilft: langsam aufstehen, regelmäßig essen, genug trinken, kurze Bewegungseinheiten und Pausen.
Krampfadern, Wadenkrämpfe und Wassereinlagerungen
Krampfadern entstehen in der Schwangerschaft durch den zunehmenden Druck auf Venen in Beine und Becken. Blut und Flüssigkeit staut sich dadurch eher an und kann insgesamt weniger gut abfließen. Gestautes Blut führt zu Krampfadern, die sehr schmerzhaft sein können und optisch oft einfach wahnsinnig stören. Etwa 4 von 10 Schwangeren sind von Krampfadern betroffen.
Beine hochlegen, regelmäßige Bewegung (viele lieben Schwimmen), Wechselduschen und ggf. Kompressionsstrümpfe können entlasten. Wadenkrämpfe können auch mit Mineralstoffhaushalt zusammenhängen. Sprich Magnesium oder Calcium bitte kurz mit deiner Fachperson ab, bevor du hoch dosierst.
Mentale Gesundheit
Auch seelisch passiert in der Schwangerschaft viel. Ängste, Grübelschleifen, „Schwangerschaftsdemenz“, aber auch depressive Symptome können auftreten: nicht weil du schwach bist, sondern weil dein Leben, dein Körper und dein Nervensystem gerade Großes leisten.
Studien berichten je nach Definition und Setting relevante Anteile an depressiven Symptomen in der Schwangerschaft von bis zu 25%. Wenn du merkst, dass du dich dauerhaft gedrückt fühlst, innerlich abkoppelst, sehr ängstlich bist oder keine Freude mehr spürst, solltest du dringend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Bei leichten Symptomen können Entspannungsübungen, ein angepasster Alltag mit Sport und guter Ernährung, Gespräche und Journaling helfen.
Du bist nicht alleine, Mama.
Wir wünschen uns, dass offener über all diese Themen gesprochen wird – über Hämorrhoiden genauso wie über Angst, Harndrang oder das Gefühl, den eigenen Körper manchmal einfach zurückhaben zu wollen. Du bist damit nicht allein.
Die meisten Beschwerden werden nach der Geburt deutlich besser oder verschwinden ganz. Bis dahin gilt: Schau gut nach dir. Nimm dich ernst. Und lass dich begleiten – medizinisch, emotional und ganz praktisch im Alltag.



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