
Stillschwierigkeiten: Ursachen, Soforthilfe und Lösungen im Wochenbett
Stillen ist ein Zusammenspiel aus Körper, Baby und Nervensystem. Dein Brustgewebe ist ein äußerst intelligentes und komplexes System und trotzdem können die ersten Wochen herausfordernder sein, als viele erwarten. Es kann Tränen kosten, Zweifel auslösen und sich anfühlen, als wäre man gescheitert. Du bist damit nicht allein.
Wenn ihr die Anfangsphase gut begleitet übersteht, kann Stillen zu einer sehr schönen Erfahrung werden. Entscheidend sind klare, nicht widersprüchliche Anleitung, echte Entlastung und frühzeitige Unterstützung. Leider sieht die Realität oft anders aus. Viele Frauen kommen aus der Klinik mit offenen Fragen, Unsicherheit und manchmal schon mit Stillhütchen, ohne dass die Ursache wirklich geklärt wurde.
Stillen ist Übungssache. Du und dein Baby seid wie zwei neue Tanzpartner, die gemeinsam lernen, üben und sich aneinander gewöhnen. Und manchmal braucht das am Anfang viel Hilfestellung. Die folgenden Themen gehören zu den häufigsten Stillschwierigkeiten. Was auch immer dich beschäftigt: Hol dir passende Hilfe. Schmerzen beim Stillen sind ein Signal, das ernst genommen werden sollte.
Zu wenig Milch: wann es wirklich ein Problem ist
In vielen Fällen entsteht zu wenig Milch, wenn nicht häufig genug oder nicht effektiv angelegt wurde. In seltenen Fällen können auch körperliche Ursachen eine Rolle spielen, zum Beispiel hormonelle Erkrankungen oder eine zurückliegende Brustoperation. Auch Schlafmangel, Stress, wenig Flüssigkeit und unregelmäßige Mahlzeiten können sich auf die Milchbildung auswirken.
Viele Erstlingsmamas erleben die Angst vor “zu wenig Milch” besonders stark in den ersten 48 Stunden. Wichtig ist, dass die Situation ganzheitlich betrachtet wird. Wenn früh zugefüttert oder viel gepumpt wird, ohne die Ursache zu klären, kann das Stillverhalten deines Babys an der Brust verändert werden. Im ungünstigsten Fall entsteht eine Zufütterspirale, in der weniger Milch abgerufen wird und der Körper die Produktion weiter reduziert.
Was jetzt hilft:
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früh und häufig anlegen, mit Fokus auf effektives Trinken
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Anlegetechnik und Stillposition prüfen lassen
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bei Bedarf eine IBCLC Stillberaterin hinzuziehen
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Zufüttern nur mit Plan und Begleitung, nicht aus Panik
Zu viel Milch: Milchschwall und starker Milchspendereflex
Bei einem Milchüberschuss verschlucken sich manche Babys, husten, würgen oder unterbrechen häufig. Manche verändern ihre Trinktechnik, was zu wunden Brustwarzen führen kann. Klickende Geräusche entstehen dabei nicht selten durch den Versuch, den starken Fluss zu kontrollieren.
Sofortmaßnahmen, die viele entlasten:
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zurückgelehnt stillen, damit die Schwerkraft den Fluss bremst
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darauf achten, dass dein Baby die Brust weit im Mund hat und Pausen bekommt
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vor dem Stillen den ersten Milchspendereflex auslösen, zum Beispiel durch kurzes Ausstreichen
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Blockstillen nur mit guter Anleitung und individuell abgestimmt, damit es nicht zu Stau oder Entzündung kommt
Wenn dein Baby die Brust verweigert, du regelmäßig Schmerzen hast oder ständig Milchstau entsteht, hol dir frühzeitig Unterstützung.
Initiale Brustdrüsenschwellung: wenn die Brust zu prall ist
In den Tagen nach der Geburt ist eine Brustdrüsenschwellung häufig. Neben Milch spielt dabei auch vermehrter Blut und Lymphfluss eine Rolle. Wenn die Brust sehr prall ist, kann dein Baby schlechter andocken. Das kann wunde Brustwarzen, ineffektives Trinken und weitere Stillprobleme nach sich ziehen. Was oft hilft:
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vor dem Stillen sanft ausstreichen oder kurz auf niedriger Stufe pumpen
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Wärme vor dem Stillen, zum Beispiel warmes Wasser im Waschbecken und ein Waschlappen oder ein Wärmekissen
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nach dem Stillen kühlen, zum Beispiel mit kalten Kompressen, Quarkwickel oder Weißkohlblättern
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bei anhaltender oder starker Schwellung Unterstützung holen, um die Ursache zu klären
Wunde Brustwarzen: Ursache finden, nicht nur lindern
Risse, Blasen oder blutende Brustwarzen entstehen meist durch ein ungünstiges Saugmuster, häufig ausgelöst durch falsches Anlegen oder eine sehr pralle Brust. Auch Pumpen mit falscher Größe oder zu hohem Unterdruck, Hautprobleme oder Soor können eine Rolle spielen. Der wichtigste Schritt ist fast immer:
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korrektes Anlegen und passende Position finden
Eine anfängliche Empfindlichkeit kann normal sein. Wenn es nach dem Einsetzen des Milchspendereflexes weiter schmerzt, sollte das Baby abgedockt und neu angelegt werden. Eine Stillberaterin schaut meist auf drei Bereiche:
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Baby: Mundmotorik, Trinkverhalten, Besonderheiten im Mundraum
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Mutter: Stillmanagement, Hautthemen, Pumpennutzung
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Nervensystem: Stress, Schmerzempfinden, psychische Belastung
Produkte wie Silberhütchen, Brustwarzensalbe oder Gelkompressen können lindern, lösen aber nicht die Ursache. Ziel ist: Ursache klären, Schmerzen reduzieren, Heilung unterstützen. Praktische Unterstützung:
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Stilldonuts, um Luft an die Brustwarze zu lassen und Reibung zu vermeiden
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Lasertherapie kann die Wundheilung unterstützen, wenn verfügbar

Vasospasmus: stechender Schmerz und Farbwechsel
Ein Vasospasmus ist ein Gefäßkrampf der Brustwarze. Typisch sind stechende oder brennende Schmerzen, oft nach dem Stillen oder bei Kälte. Manchmal verfärbt sich die Brustwarze weiß oder bläulich. Es kann mit Soor verwechselt werden.
Was helfen kann:
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Kälte vermeiden und Brustwarzen warm halten
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Saugverhalten und Anlegetechnik prüfen lassen
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bei Bedarf mit Fachpersonal mögliche Unterstützung wie Magnesium oder bestimmte Fettsäuren besprechen
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bei starken Beschwerden ärztlich abklären lassen, in seltenen Fällen sind Medikamente nötig
Wenn du mehr Details brauchst, lies auch: Vasospasmus beim Stillen: erkennen und behandeln
Flach, Schlupf oder Hohlwarzen: Stillen ist trotzdem möglich
Brustwarzenformen sind sehr unterschiedlich und keine “Schuldfrage”. Viele Babys können trotzdem gut stillen. Manchmal braucht es am Anfang mehr Unterstützung, weil das Vakuum schwieriger aufzubauen ist.
Hilfreich kann sein:
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früh üben, solange die Brust noch weich ist
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bei Bedarf eine Stillberaterin einbeziehen
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Stillhütchen nur mit Plan einsetzen

Stillhütchen: Chance und Risiko zugleich
Stillhütchen können beim Andocken helfen, wurden ursprünglich für Flach oder Hohlwarzen entwickelt und können kurzfristig eine Lösung sein. Gleichzeitig sind sie eine Barriere und können die Milchbildung beeinflussen. Deshalb lohnt es sich, eine vorschnelle Vergabe kritisch zu hinterfragen und eine qualifizierte Begleitung zu nutzen.
Wichtige Punkte:
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korrektes Anlegen des Hütchens, damit kein zusätzlicher Schaden entsteht
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sicherstellen, dass das Baby tief andockt
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immer mit Hebamme oder IBCLC Stillberaterin begleiten lassen
Verstopfte Milchgänge, Milchstau und Mastitis: früh handeln
Ein verstopfter Milchgang zeigt sich oft als empfindlicher Knoten oder harte Stelle. Manchmal entsteht ein weißes Bläschen an der Brustwarze. Milchstau kann entzündlich werden, Mastitis kann zusätzlich Fieber und Gliederschmerzen auslösen. Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen.
Ganzheitliche Maßnahmen, die oft empfohlen werden:
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weiter stillen, nicht abstillen
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Mama braucht Ruhe, nicht die Brust
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ausreichend trinken und regelmäßig essen
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korrektes und häufiges Anlegen, Stillpositionen variieren
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Wärme vor dem Stillen, Kühlen nach dem Stillen für etwa 20 Minuten
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wenn nach 48 Stunden keine Besserung eintritt oder Fieber dazukommt: ärztlich abklären, ggf. Antibiotikum
Wenn Mastitis wiederholt auftritt, ist eine Ursachenanalyse durch eine Stillberaterin besonders sinnvoll.

Galaktogoga: milchbildende Lebensmittel und Mittel
Galaktogoga sind Lebensmittel oder Präparate, denen eine milchbildende Wirkung nachgesagt wird. Die Evidenzlage ist insgesamt begrenzt. Wenn sie helfen, dann meist nur, wenn gleichzeitig genügend Milch effektiv abgerufen wird. In den ersten Wochen nach der Geburt ist die Weichenstellung für die Milchbildung besonders relevant.
Wichtig bleibt:
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häufiges, effektives Anlegen ist die Grundlage
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bei Milchüberschuss sind galaktogoge Lebensmittel eher ungünstig
Häufig genannten Empfehlungen:
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Bockshornklee
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indischer Spargel
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Milky Milk
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Mambiotic
Stillen ist selten vom ersten Tag an völlig unkompliziert. Die meisten Frauen brauchen Unterstützung, besonders beim ersten Kind. Stillmanagement kann auch später wackeln, zum Beispiel bei Clusterfeeding, Entwicklungssprüngen oder in stressigen Phasen. Wenn du Schmerzen hast oder dein Gefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, hol dir Hilfe. Stillschwierigkeiten lassen sich in der Regel gut lösen, wenn die Ursache erkannt wird und du begleitet wirst.

Hilfreiche Links zum Weiterlesen und für Unterstützung
Korrektes Anlegen: Video Anleitung (Global Health Media Project)
Korrektes Anlegen lernen: Video Anleitung auf YouTube
IBCLC Stillberaterinnen finden
IBCLC Stillberatung in deiner Nähe finden
Online Stillberatung
Online Stillberatung buchen
Stillkurse
Stillkurse finden und buchen
La Leche Liga
Stillinformationen bei La Leche Liga
Fachinformationen zum Stillen
Fachinformationen: Europäisches Institut für Stillen und Laktation



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