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Artikel: Zum Muttertag wünsche ich mir Blumen und ...

Zum Muttertag wünsche ich mir Blumen und ...
Mama-Alltag

Zum Muttertag wünsche ich mir Blumen und ...

Muttertag. Blumen auf dem Küchentisch, ein wackelig gemaltes Bild aus der Kita, vielleicht ein Brunch. Schön. Aber wenn wir ehrlich sind, dann reicht das nicht. Denn das, was Mütter wirklich brauchen würden, lässt sich selten in einen Strauß packen.

Was Mütter brauchen, ist struktureller, gesellschaftlicher und manchmal auch ganz still und persönlich. Es ist die Erkenntnis, dass die Erschöpfung, die Wut, die Zerrissenheit zwischen Liebe und Überforderung nicht dein persönliches Versagen sind. Sondern dass sie System haben. Und dass du damit nicht allein bist.

Mutter werden in unserem System ist mit großen Heruasforungen verbunden. Die Vereinbarkeit zwischen Mutterschaft, beruflichen Ambitionen und persönlicher Entwicklung ist für die allerallermeisten Mütter der größte Struggle - und das Tag für Tag. Zum Muttertag habe ich heute mal eine Liste gemacht. Eine lange Liste. Eine Liste mit dem, was wir uns wünschen würden, wenn wir an Muttertagen tatsächlich gefragt werden würden, was wir brauchen.

Zum Muttertag wünsche ich mir....

... dass die Elterngeldsätze endlich an die Inflation angepasst werden

... dass Wickeltische in jeder Männertoilette stehen, weil Wickeln keine Geschlechterfrage ist

... dass postpartale Depression genauso selbstverständlich therapiert wird wie ein Beinbruch

... dass Hebammen flächendeckend verfügbar sind 

... dass Care Arbeit den gleichen Stellenwert bekommt wie Erwerbsarbeit

... dass Schwangere im öffentlichen Raum selbstverständlich einen Sitzplatz angeboten bekommen

... dass Geburtsverletzungen ernst genommen, behandelt und konsequent nachversorgt werden

... dass Mütter Bedürfnisse äußern dürfen, ohne als egoistisch zu gelten

... dass Pumppausen so selbstverständlich werden wie Raucherpausen

... dass Mütter, die mit künstlicher Befruchtung schwanger geworden sind, offen darüber sprechen können, ohne sich zu rechtfertigen

... dass Väter selbstverständlich die volle Elternzeit nehmen, ohne Angst vor dem Karriereknick

... dass Mental Load benannt, gesehen und gerecht verteilt wird

... dass es niemandem auffällt, ob eine Mutter ihr Kind trägt oder schiebt, Beikost selbst kocht oder im Glas kauft, Bildschirmzeit erlaubt oder nicht

... dass Schlafmangel als ernstzunehmendes Gesundheitsthema verstanden wird

... dass Mutterschutz nach einer Fehlgeburt selbstverständlich ist, nicht erst ab der 24. Schwangerschaftswoche

... dass eine Mutter, die einfach überall stillt, dafür weder bewundert noch kritisiert wird

... dass die Rente von Müttern nicht systematisch in Altersarmut führt

... dass Stillen in der Öffentlichkeit niemanden mehr irritiert

... dass Mütter sich erlauben dürfen, nicht alles zu lieben an der Mutterschaft

... dass Sternenkinder und Fehlgeburten einen festen Platz in unserer Erinnerungskultur bekommen

... dass Mütter beim Bewerbungsgespräch nicht nach Familienplanung gefragt werden

... dass die Fragen nach Geburtsmodus, Stillverhalten und Schlafsituation aus jedem Smalltalk verschwinden

... dass alleinerziehende Mütter finanziell und strukturell wirklich abgesichert sind

... dass keine Mutter sich erklären muss, ob sie eine Woche nach der Geburt schon draußen war oder nach vier Wochen immer noch nicht

... dass Kinderwunschbehandlungen vollständig von der Krankenkasse übernommen werden, unabhängig vom Familienstand

... dass jede Frau eine selbstbestimmte Geburt erleben darf, ohne Druck und ohne Eingriffe ohne ihre Einwilligung

... dass die Partnerschaft nicht hinten runterfällt, sondern aktiv gestützt wird

... dass es egal ist, ob eine Frau mit 22 oder mit 42 zum ersten Mal Mutter wird

... dass Frühcheneltern mehr Zeit, Geld und psychologische Begleitung im Krankenhaus erhalten

... dass Gewalt unter der Geburt benannt, dokumentiert und konsequent bekämpft wird

... dass Mütter Hilfe annehmen dürfen, ohne als überfordert zu gelten

... dass Vorsorgeuntersuchungen für Frauen über die Reproduktion hinaus gehen

... dass jede Mutter Zugang zu mentaler Unterstützung hat, unabhängig vom Geldbeutel

... dass die ersten 12 Wochen nach der Geburt gesellschaftlich als das anerkannt werden, was sie sind, nämlich Ausnahmezustand

... dass es bezahlte Familienstartzeit für Partner gibt, ab Tag eins nach der Geburt

... dass der Wiedereinstieg in den Beruf strukturell begleitet wird, nicht zur eigenen Lebensaufgabe

... dass Mütter aller Lebensrealitäten sichtbar sind. Queere Mütter, Pflegemütter, Adoptivmütter, Stiefmütter, ungewollt kinderlose Frauen

... dass eine geplante und eine ungeplante Schwangerschaft im selben Atemzug gefeiert werden dürfen

... dass Mütter mit Kaiserschnitt nie wieder das Gefühl bekommen, sie hätten weniger geleistet

Vielleicht hast du beim Lesen dieser Liste an mehreren Stellen genickt. Vielleicht hast du gedacht, das könnte ich gewesen sein. Vielleicht ist dir bewusst geworden, dass du Dinge mit dir selbst ausmachst, die eigentlich keine privaten Probleme sind, sondern strukturelle. Genau das ist der Punkt.

Mutterschaft in Deutschland 2026 ist immer noch eine Aufgabe, die zu großen Teilen privatisiert wird. Die finanzielle Last, die mentale Last, die organisatorische Last. Und während im Koalitionsvertrag Verbesserungen beim Elterngeld angekündigt werden, die seit fast zwei Jahrzehnten überfällig sind, bleiben sie unter Finanzierungsvorbehalt. Mit anderen Worten: Niemand weiß, ob und wann sie kommen.

Was hilft, ist Sichtbarkeit. Was hilft, ist Sprache. Was hilft, ist die Erkenntnis, dass du mit deinen Fragen, deiner Erschöpfung, deiner Wut und deinen Wünschen nicht allein bist. Sondern dass es Tausende Mütter gibt, die genau das Gleiche denken. In jedem Spielplatz, in jeder Stillgruppe, in jeder Schlange beim Kinderarzt.

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